RACE REPORT: RAD RACE CRIT Ostende

Von Fritz Ferner

Quali, Samstag
Statt den geplanten zwei Qualifikationsrennen gab es nur eine Qualigruppe mit ca. 60 Startern, in dem die Startaufstellung fürs Finale ermittelt wurde. Das RAD PACK war mit sieben starken Fahrern am Start, damit hatten wir als Team klare Vorteile. Bei den Überlegungen wie wir diese Vorteile am besten im Rennen ausspielen sollten, waren wir uns allerdings uneinig im Vorfeld, klar war, Tempo hoch halten, die andern auch arbeiten lassen und selbst abwechselnd attackieren und Angriffe der anderen kontern. Auf der ewig langen Zielgeraden war Rückenwind, so dass falls es zum Sprint kommt, derjenige gewinnt, der die höchste Cadence fahren kann, ob das wer von uns ist war nicht klar, also wollten wir möglichst keine Sprintentscheidung.

John, Henne, Max, Jo and Fritz in Startreihe 1. Photo von @degroteplaant

John, Henne, Max, Jo and Fritz in Startreihe 1. Photo von @degroteplaant

Ok! „3-2-1 kickit“ Max sprintet los und hat sofort eine Lücke von 20 Metern, darauf, war ich zumindest, nicht vorbereitet, auf der langen Gegengerade, war das Feld schon komplett zerteilt in eine lange Einer Reihe mit einigen Lücken dazwischen. Der Rest vom RAD PACK hat sich nur fragend angeschaut und nicht genau gewusst was zu machen ist. So sind wir dann die ersten zwei Runden dahin gerollt und mussten vereinzelte Attacken kontern und wussten nicht genau was zu tun ist, wie ich dann irgendwann in Runde zwei Führung gefahren bin, kam Jo vor gesprintet um mich anzuschreien, keine Nachführarbeit zu leisten und doch lieber das nächste Mal Gegengerade zu attackieren. Also ab nach hinten in die inzwischen schätzungsweise 20 Mann starke Verfolgergruppe. Max war inzwischen außer Sichtweite. Gegengerade, ich attackiert, Lücke wenig später von Paul Göhrke (Team Schindelhauer Gates) zugefahren. Direkt nächste Attacke von Jo, Jo mit Lücke vorm Feld, kurz danach zieht Henne an und keiner da der die Lücke schließt. Also waren drei von uns vorne raus! So! jetzt war natürlich klar das der Rest vom RAD PACK hinten in der Verfolgergruppe erstmal nichts mehr arbeitet, und ansonsten gabs auch relativ wenig Fahrer die sich mal erbarmten Paul beim Tempo machen zu helfen, somit war der relativ auf sich alleine gestellt und dementsprechend deprimiert, weil keiner ihm helfen wollte.

Jo in der Führungsgruppe. Foto von @degroteplaant

Jo in der Führungsgruppe. Foto von @degroteplaant

Somit war unsere einzige Aufgabe die Gruppe zusammen zuhalten und die Attacken der gegnerischen Fahrer zu regulieren. Drei Runden vor Ende, wussten wir, dass Max, Jo und Henne vorne durch kommen, da haben wir in der Verfolgergruppe auch wieder angefangen uns aktiv am Renngeschehen zu beteiligen. Ben mit einer starken Attacke drei Runden vor Ende, allerdings wurde er zurückgeholt nach einer Solorunde, direkt danach mit 1,5 Runden togo hab ich dann nochmal angegriffen, keiner ist mit, nochmal gut gesuffered, meine schnellste Runde vom ganzen Wochenende gefahren und als vierter vor der Verfolgergruppe ins Ziel gerollt. John hat im Anschluss noch den Sprint vor Paul gewonnen. Ben Platz 8 und unser Axel Platz 14!!!! Man man man wenn der mal trainieren würde!

RAD RACE CRIT by @degroteplaant

Finale, Sonntag
Ich wieder mega aufgeregt, Strategie ähnlich wie Qualy, Tempo hoch halten, Attacken fahren und fremde Attacken kontern. Last Chance Race fällt aus, zusätzlich wollte sich Stefan Reimer und Paul vom Fixedpott noch so fürs Finale qualifizieren, die erst Sonntag angereist sind, neue Regelung die beiden starten aus letzter Reihe. Vor allem Stefan ist stark, auch wenn er schon lange nicht mehr fixed Rennen gefahren ist. Deswegen wollten wirs ihm von Anfang an schwer machen überhaupt vor zu fahren. „3-2-1 kickit“ ich erst beim zweiten Versuch ins pedal gekommen, also haben mich gleich mal einige überholt. Der Wind an dem Tag von einer anderen Richtung so dass wir auf der langen Gegengerade Rückenwind hatten. Das erste Mal dort angekommen, war das Feld gleichmal wieder langezogen und mit einigen Lücken, zwei waren mit etwas Abstand vorne raus, ich erstmal aufgeschlossen zu den Verfolgern, dann hat Paul die Lücke zugefahren und ich hab mich an sein Hinterrad gehängt. Ich an sechster Position, Jo von Position drei nach einer halben Runde Attacke und ich hinterher. Kurz vor Ziel holt uns John und Paul ein. Hinter uns kleines gap. Erste Kurve anfang zweite Runde geht John aus der Führung, ich trete leicht an und fahr die nächsten beiden Kurven mit Schwung in die Gegengerade, noch mal antreten, da merk ich dass ich alleine bin, also die Gegengerade durchdrücken, bzw durchdrehen, normal fahr ich nicht so gerne eine so hohe Trittfrequenz. Kann aber den Vorsprung ausbauen.

RAD RACE CRIT - Foto von @degroteplaant

Ziemlich verunsichert was ich da gerade mache, fahr ich einfach weiter sind ja nur noch knapp 40km bis ins Ziel. Wohl wissend dass ich das Tempo so niemals durchhalte drück ich durch, in der vierten Runde sehe ich dann die Erlösung, ben hat sich von der Verfolgergruppe abgesetzt und fährt vor den Verfolgern, ich leicht unsicher ob ich raus nehmen soll um auf ihn zu warten. Allerdings besteht da die Gefahr dass wenn der Abstand zu den Verfolgern kleiner wird diese die Chance wittern und auch versuchen aufzuschließen. Also drück ich weiter. Ben ist so stark der schafft auch so das Loch zu zufahren, vor allem weiß er und ich, dass genau dieser Move unser Winningmove sein kann, da wir beide im Sprint absolut chancenlos wären. Mitte vierte Runde waren wir also zu zweit im breakaway. Ich bin dann die Runde noch weiter Führung gefahren, dass Ben mal durchatmen konnte, er hat beim Aufschließen natürlich auch Körner lassen müssen. Und dann gings los TeamTimeTrial zu zweit, ich allerdings gut angeschlagen von dem langen Solo. Mussten wir also erstmal unseren Rhythmus finden, immerhin war das Rennen noch ziemlich lang. Ich hatte Probleme auf der Gegengeraden, da man da so schnell war das man mit für mich zu hohe Cadence fahren musste, also hat Ben die Gegengerade immer mit über 50kmh durch gedrückt und ich hinter ihm Probleme überhaupt dran zu bleiben, da kam der Veggieburger von Mittag fast hoch, aber die langsameren Passagen konnte ich dann wieder führen. Auch mein Parkplatztraining hat sich bezahlt gemacht, ich konnte die Kurven flüssiger durchdrücken als Ben, also haben wir uns da auch gut ergänzt.

RAD RACE CRIT Podium: Ben Schnabel, Fritz Ferner, Stefan Reimer. By Carlos Fernandez Laser

RAD RACE CRIT Podium: Ben Schnabel, Fritz Ferner, Stefan Reimer. By Carlos Fernandez Laser

Mit acht Runden to go hatte ich allerdings bedenken das Tempo bis zum Ende durchhalten zu können, wir konnten den Abstand aber halten. Also weiter Kämpfen, hauptsächlich gegen sich selbst, aber das können wir beide! Also die richtigen Gedanken machen, die Zuschauer motivieren da natürlich und das Wissen dass die Jungs uns hinten den Rücken frei halten. Irgendwann haben wir noch Jo vor dem Feld fahren sehen, allerdings war der Abstand zu uns noch zu groß, so dass wir das Tempo gehalten haben, hätten ihn natürlich gut als Unterstützung gebrauchen können! Als die noch zu fahrenden Runden immer weniger wurden, wurde es zwar nicht leichter aber wir wussten wir kommen durch, wenn wir das Tempo halten können! So war es dann auch. Bäm! 40km Breakaway, gewonnen hab ich natürlich nicht alleine, Ben und alle anderen vom RADPACK sind einfach gerade in Topform, jeder von uns hätte derjenige sein können. Ben sein erstes fixedrennen überhaupt gleich mal ordentlich gefahren. Knapp 1h mit 44er Schnitt (laut strava), erst alleine dann zu zweit, fixed, hart gesuffered, passt! Wäre natürlich geil gewesen sich an dem Tag mit anderen starken Teams zu messen, Terminwahl am gleichen Wochenende wie RedHook war halt doch nicht soo optimal. Aber unsere Form stimmt!