Sicherheit im Radsport
RIDE SAFE
Eure Sicherheit steht über allem. Punkt. Eure Sicherheit. Die Sicherheit des Teams. Die Sicherheit der Anwohner:innen – das war für uns schon immer die oberste Priorität und ist die Grundlage dafür, dass es das RAD RACE ONE TWENTY überhaupt gibt!
Letztes Jahr kam es während des Rennens zu einem Vorfall, der unsere gesamte Organisation auf die Probe gestellt hat. Deshalb wollen wir euch hier eine Einordnung geben: was im letzten Jahr tatsächlich passiert ist, was wir daraus gelernt haben und was sonst noch alles im Hintergrund läuft, was für euch nicht sichtbar ist und auch nicht sichtbar sein muss.
BLICK ÜBER DEN TELLERRAND
Sicherheit im Radsport ist kein Thema, das man alleine löst. Wir haben uns mit Dominic Kuen (Ötztaler Radmarathon), Rik Sauser (Riderman / Deutsche Meisterschaft), Marcus Burghardt (Shades of Speed) und Fabian Wegmann (Deutschland Tour) zusammengesetzt und offen über die Herausforderungen gesprochen, die mit der Organisation von Rennen auf öffentlichen Straßen einhergehen – von Rettungskonzepten über Kommunikation bis hin zu den Grenzen dessen, was wir als Veranstalter leisten können.
WAS IST PASSIERT AM RENNTAG 2025?
Am Renntag kam es in einer der Abfahrten im Rohrmoos zu einem Sturz. Ein Teilnehmer setzte daraufhin einen Notruf über die 112 ab. Das Meldebild, das die Integrierte Leitstelle (ILS) erhielt, führte dazu, dass ein größerer Rettungseinsatz ausgelöst wurde – inklusive Luftrettung und einem Rettungswagen aus der näheren Umgebung.
Kurzer Hintergrund: Die ILS ist die zentrale Stelle, die alle 112-Anrufe entgegennimmt und Rettungsmittel disponiert – unabhängig vom Veranstalter. Parallel dazu betreiben wir eine eigene Einsatzzentrale in Zusammenarbeit mit der Polizei, Feuerwehr und dem Rettungsdienst, um aus allen Bereichen möglichst schnell und abgestimmt auf jede Eventualität reagieren zu können. Von hier aus werden unsere veranstaltungseigenen Rettungskräfte des BRK koordiniert.
Insight: Der Streckenabschnitt durch das Rohrmoos ist über weite Teile nur einspurig befahrbar. Deshalb setzen wir dort ein rollierendes Rettungssystem ein: Zwei RTW stehen fest bereit, während Motorrad und Quad fortlaufend im Fahrerfeld mitfahren. So sind Rettungskräfte in Rennrichtung unterwegs und bei einem Sturz schnell vor Ort.
Diese waren kurz nach dem Notruf vor Ort, konnten die Lage konkretisieren und hätten den Einsatz mit den eigenen Kräften abwickeln können. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der von der ILS alarmierte Rettungshubschrauber aber bereits im Landeanflug – was zeigt, wie schnell das Rettungssystem reagiert – und ein zusätzlicher, veranstaltungsunabhängiger Rettungswagen war bereits entgegen der Rennrichtung in Richtung Rohrmoos unterwegs.
Ein solcher Einsatz kann nicht mehr einfach gestoppt werden. Uns blieb keine andere Möglichkeit, als das Rennen zu unterbrechen, da der Rettungswagen in der Abfahrt entgegen der Rennrichtung fahren musste.
Um 09:16 Uhr wurde an der Alpe Schattwald, kurz vor der Abfahrt, unterbrochen, um 09:24 Uhr an der Verpflegungsstelle Sibratsgfäll. Um 09:39 Uhr wurde die Strecke wieder freigegeben. Nach Rücksprache mit den Führenden des Rennens wurde entschieden, die Reststrecke neutralisiert zu Ende zu fahren. Als offizielles Ergebnis wurde die letzte Zeitnahme am Beginn des Saustiegs herangezogen.
Dieser ganze Prozess verlief entsprechend unserem Sicherheitskonzept und wurde von allen Beteiligten vorbildlich durchgeführt.
Natürlich läuft in einem solchen Stressmoment, der für alle Beteiligten eine Ausnahmesituation darstellt, nicht alles reibungslos. Eine der größten Herausforderungen war die Information eines über viele Kilometer verteilten Fahrerfeldes. Für die Zukunft haben wir bereits ein Konzept entwickelt, um eine flächendeckendere und schnellere Information ins Fahrerfeld zu bringen.
Insight: Die letzten Teilnehmenden wurden an der Alpe Schattwald gestoppt, also kurz vor der Abfahrt, in der der Sturz passiert ist. Die Spitze des Rennens wurde in Sibratsgfäll an der Verpflegungsstation angehalten. Der restliche Teil des Fahrerfeldes war über knapp 50 km verteilt und bekam die Unterbrechung zunächst nicht direkt mit, sondern erfuhr erst später über Hörensagen davon. Das führte zu Verunsicherung und begünstigte unterschiedliche Wahrnehmungen und Spekulationen über die Gründe der Unterbrechung.
WAHRNEHMUNG UND EINORDNUNG
Bereits vor der Rennunterbrechung hatte es einzelne Stürze gegeben, wie sie bei Radrennen leider vorkommen können. Die Anzahl dieser Stürze war nicht überdurchschnittlich hoch. Einer dieser Stürze war schwerer und machte einen Hubschraubereinsatz erforderlich – es handelte sich dabei um einen isolierten Einzelsturz ohne Beteiligung anderer Radfahrer oder sonstiger Verkehrsteilnehmer.
Die einzelnen Ereignisse des Tages waren voneinander unabhängig. Die Rennunterbrechung resultierte allein aus dem einen Rettungseinsatz im Rohrmoos, der durch das Meldebild an die ILS eine Dimension erreichte, die mit laufendem Rennbetrieb nicht vereinbar war.
WAS WIR DARAUS GELERNT HABEN
Wir haben jeden Aspekt des Tages analysiert und überlegt, wo wir über das bereits hohe Niveau hinaus noch weiter optimieren können. Gleichzeitig haben wir uns vorgenommen, generell mehr und offener über das Thema Sicherheit zu kommunizieren – vor dem Rennen, während des Rennens und auch danach. Diese Seite ist ein Teil davon.
Fahrbahnbeschaffenheit: Wir arbeiten daran, Gefahrenstellen auf der Strecke noch weiter zu reduzieren. Ein Beispiel: Im Bereich Rohrmoos werden in diesem Jahr gemeinsam mit der Firma Geiger Fahrbahnschäden professionell behoben. Wo wir die Möglichkeit haben, die Bedingungen auf der Strecke zu verbessern, nutzen wir sie.
Optimierte Kommunikation im Rohrmoos: Im Rohrmoos ist die Straße als einziger Abschnitt schmaler als zweispurig. Genau hier besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass Rettungsfahrzeuge entgegen der Rennrichtung fahren müssen. Deshalb optimieren wir die Kommunikation an den neuralgischen Punkten sowie die Kommunikationsketten zwischen Einsatzzentrale, Streckenposten und Fahrerfeld. Das Ziel: ein noch schnelleres und präziseres Meldebild durch unsere eigenen Einsatzkräfte und eine klarere Kommunikation mit dem gesamten Fahrerfeld im Ernstfall. Je früher die Information in unserer veranstaltungseigenen Einsatzzentrale ankommt, desto schneller kann unsere Rettung die Lage klären, gezielt reagieren und weitere Maßnahmen abgestimmt einleiten.
NEUE STRECKENFÜHRUNG UND ANGEPASSTES STARTPROZEDERE
Losgelöst von der Rennunterbrechung haben wir auch die Startphase und die Streckenführung grundlegend überarbeitet. Ihr wisst selbst, wie hektisch die ersten Kilometer sein können, wenn das Feld noch eng zusammen ist. Genau da setzen wir an: weniger Stress, mehr Platz, niedrigeres Sturzrisiko in der heißen Phase. Die Details veröffentlichen wir in Kürze.
EIN EHRLICHES WORT UNTER UNS
Wir sperren die gesamte Strecke. Wir stellen Polizei, BRK, Feuerwehren, Streckenposten und Rettungsfahrzeuge. Wir haben Cutoff-Zeiten, eine besetzte Einsatzzentrale, definierte Abbruchszenarien und Protokolle für jede denkbare Situation. Wir geben auf euch Acht und wir tun alles, was in unserer Möglichkeit steht.
Aber ihr wisst es so gut wie wir: Kein Sicherheitskonzept der Welt kann garantieren, dass nichts passiert. Radrennen auf diesem Niveau bergen ein Restrisiko – das gehört zu dem Sport, den wir alle lieben. Stürze können passieren. Rettungseinsätze können nötig werden. Entscheidend ist, dass das System dann funktioniert. Genau das ist 2025 passiert. Das System hat funktioniert. Der Rettungseinsatz war vorbildlich. Und 2026 wird das Gesamtkonzept noch besser funktionieren.
Aber eines können wir nicht kontrollieren: wie ihr fahrt. Passt auf euch auf. Kennt eure Grenzen. Gerade in Abfahrten, gerade wenn das Adrenalin hoch ist, gerade wenn das Feld noch eng zusammen ist. Kein Sicherheitskonzept ersetzt einen kühlen Kopf im Sattel. Die Eigenverantwortung jedes Einzelnen ist nicht nur ein Teil des Sicherheitskonzepts – sie ist dessen Fundament.
Sicherheit war bei uns nie ein Nachgedanke. Sie ist der Kern dessen, was dieses Rennen möglich macht. Und wenn ihr Dinge seht, die wir verbessern können – nach dem Rennen, auf der Strecke, egal wann – teilt sie uns mit. Wir arbeiten daran weiter. Jedes Jahr.
Das RAD RACE ONE TWENTY ist ein Herzensprojekt von 808project und RAD RACE. 120 Kilometer auf komplett für den Verkehr gesperrten Straßen – durch zwei Länder, über die höchste Passstraße Deutschlands.
Und ja, es ist ein Rennen. Aber nur, wenn ihr es auch so fahren wollt.
With love, 808project & RAD RACE